Archiv für den May 2008

neu: bald in ihrem kino! “verantwortungsvoller umgang mit daten” mit w. schäuble! ab donnerstag!

ciphaDOTnet, 30. May 2008

wirklich, ich hatte ja keine ahnung. in meinen kühnsten träumen konnte ich mir nicht vorstellen, dass ich mich einmal in meinem leben derart wegschmeissen würde. und dabei ist das thema ernst: es geht um die spitzelaffäre der telekom. ich verfolge dann und wann diese geschichte und heute morgen ist es dann passiert:

“Trotzdem muss er [Obermann] nun in der kommenden Woche zum Rapport nach Berlin: Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) will mit ihm über einen “verantwortungsvollen Umgang mit Daten” sprechen, sagte eine Sprecherin des Ministeriums.”

ich lag auf dem boden, ehrlich, ich konnte mich nicht mehr bewegen. ich hatte bauchkrämpfe, vor lauter lachen, dass meine kollegen schon darüber nachdachten mich einzuweisen. und wem das immer noch nicht reicht, komm her bub, bekommst einen nachschlag:

“Uns geht es darum, die Bedeutung des Datenschutzes in Unternehmen zu stärken”, hieß es in Schäubles Umfeld.”

yeah, so muss ein tag beginnen, dann kann alles andere nur noch geil werden.

inzwischen geht es übrigens bei der “stasi-affäre” nicht nur um verbindungsdaten, sondern auch um bankdaten, die unerlaubt abgefragt wurden. der artikel von heute, aus dem auch die zitierten passagen stammen, sah ich bei “spon”.

eine gewisse schadenfreude meinerseits kann ich nicht unterdrücken: ich liebe es, wenn es monopolisten an den kragen geht. überhaupt ist dieses thema meiner meinung nach vollkommen wert, sich damit auseinanderzusetzen. es liest sich wie ein krimi und jeden tag gibt es neue erkenntnisse. ich bin mal gespannt, wann der nächstes schenkelklopfer kommt…

Much Ado About Nothing

Gastautor, 16. May 2008

Craplog-Leser blackmailed, der sich als “20-jähriger Noch-Zivi und Bald-Student der zu viel Zeit hat und sich daher mit derlei Crap auseinandersetzen kann” beschreibt, hat uns unverlangt einen Blogoszönen-Rant eingesandt. Wir danken recht herzlich dafür.

Es ist Freitag nach Feierabend, und wir streifen ermattet den grauen Mantel des tristen Alltages von uns ab. Nach Erholung und Zerstreuung strebend begeben wir uns nach Klein-Bloggersdorf, einer Quelle der Inspiration und des freigeistigen Austausches. In diesem Paradies der kostenlosen Information finden wir alles, was das Herz begehrt: Analysen der plätschernden Tristesse von Büroalltagen, gespickt mit hochphilosophischen Einschüben, die bevorzugt in Form von Vögeln oder bunten Schmetterlingen in Erscheinung treten – wozu noch lesen? Spannende Erlebnisberichte von Top-Anwälten und Freizeitdetektiven, die den Leichen im Keller des Nachbarn auf der Spur sind – wozu noch Krimis und Thriller einschalten? Intelligente und dreifach linkbelegte Artikel zu den brennenden politischen und gesellschaftlichen Fragen unserer Zeit, noch dazu mit Subjektivität aufgefrischt – ein Fluchtweg vor der Mainstream-Informationsmaschine, die uns täglich mit immer den gleichen neutral verfassten, im Konjunktiv gehaltenen 08/15 Berichten überrollt. (Ha, Ha)
Wo wir auch hinsehen, es ist eine farbenfrohe, vielschichtige und hochdynamische Welt, dieses Klein-Bloggersdorf, denn sie aktualisiert sich sekündlich.

Guru

Wenn wir aber genauer hinsehen, zeichnet sich langsam ein anderes Bild ab: Wer sich durch zehn bis zwanzig private Blogs gearbeitet hat, ist auf mindestens drei Blog-Gurus gestoßen. Ihr kennt sie alle: Diese prächtigen Beispiele der totalen Verschmelzung vom Privatsphärenrest mit der medialen Außenwelt sind einer der traurigsten Auswüchse von Klein-Bloggersdorf. Sie schreiben oft in exzellentem Stil und können aus zwei nasepopelnd verbrachten Stunden einen Artikel zaubern, der von einer Handvoll mitunter fanatischer Anhänger als göttliche Eingebung gepriesen und umgehend nachgeahmt wird. Mediale Stilikonen dieser Art haben ihr Online-Zuhause perfekt eingerichtet, oft passend zu ihren einfallreichen Emo-Pseudonymen mal dunkel und einschüchternd, mal blumig strahlend. Die Seiten sind handwerklich hochwertig und zeugen von einiger Kenntnis in Sachen Kodierung und Design. Als kleine Zugabe schmückt man sich mit Verlinkungen auf die versammelte Blogprominenz – man kennt zwar keinen einzigen der verlinkten Leute, aber immerhin hat man eine Blog-Größe in der Liste stehen und suggeriert so Zusammengehörigkeit! (OMG)

Sie schreiben über das Leben. Über ihr Leben – und lassen die gesamte Öffentlichkeit daran teilhaben, ob nun gewollt oder nicht. Kindheitstraumata, Geschlechtskrankheiten, Stuhlgänge…das RTL2 des Internet findet ihr in Weblogs! Des Gurus Online-Selbst ist oft der Prototyp von Coolness bzw. Gelassenheit angesichts des großen Scheißhaufens namens Real Life und beschwört das Bild des totalen Durchblicks, was von vielen unzufriedenen, scheinbar langweiligen Usern, denen das Real Life auch auf den Sack geht, dankbar akzeptiert wird. Es gibt aber auch Berichte über rauschende Feten, sexuelle Kontakte, Einkäufe, Unfälle, Todesfälle und sogar (Achtung, Kultur) Rezensionen, Kritiken oder Leseempfehlungen, die aber in einer derart selbstverliebten Lässigkeit verfasst werden, die mir die Kotze hochkommen lässt.

Ein Blick auf das Upload-Datum dieser vor Kühnheit und Coolness nur so strotzenden Artikel lässt die Fassade dann schnell bröckeln, und wir erblicken das wahre Gesicht von „Blutelfe“, „Evilsadness“, „shivaa“ „Lonelygirl“, „emeralddream“…[1]

Da wird morgens um 5:50 der Artikel über die vorangegangenen, rauchend und „sinnend“ (Emo!) verbrachten Stunden hochgeladen, quasi als taufrische, noch nachklingende Erfahrung, die unbedingt mit allen geteilt werden muss, damit die große weite Welt jenseits von Klein-Bloggersdorf erfahren möge, wie toll man doch ist. Offensichtlich scheint der gemeine User aber noch nicht gemerkt zu haben, dass diese allwissenden Stilikonen wohl doch nur stinknormale Vollnerds wie du und ich sind, die teilweise ihre gesamte Freizeit einem Medium opfern, dass sie groß und strahlend erscheinen lässt, und dafür müssen sie noch nicht einmal sportlich oder gutaussehend sein. Nein, sie müssen nur 24/7 am PC hängen und ihr erbärmliches Selbst in ein state of the art PHP-Kleid hüllen. Wir, als Besucher von Klein-Bloggersdorf erkennen aber hoffentlich schnell, dass jene kleinen Randnotizen zwar angenehme Alternativen in Sachen voyeuristischer Abendunterhaltung, aber niemals vollständiger Ersatz für unsere eigenen Ideen und Vorstellungen sein können. Wir wenden uns also angewidert ab von dieser Wichtigtuerei und einem extremen Sendungsbewusstsein, das sich wohl nur niederschlagen kann, weil es das Internet gibt. Es ist immer noch Freitag Abend, und die Realität hat uns glücklicherweise wieder. Und an die lieben Gurus: Blog off, morons! Wir sind auch Nerds, aber wenn wir über Scheiße posten, dann nur über virtuelle Scheiße oder wenn Scheiße in der Welt passiert. Unsere eigene Scheiße bleibt friedliche, vom Internet gänzlich unberührte Scheiße. Also lasst die Scheiße.

Guru-Bild: boskizzi (cc)

  1. diese Liste kann ewig weitergeführt werden, man nehme ein Gefühl (Adjektiv oder Substantiv) und kombiniere es mit esoterischen Nomen oder auch Himmelskörpern: moon + sorrow = moonsorrow (Pseudonym erster Klasse!) [zurück]

Manchmal müsste man Mobbing möglich machen

Frank, 16. May 2008

Coneheads

Ich bin ja wirklich der Meinung, dass Deutschland ein tendentiell intellektuellenfeindliches Land ist und finde das doppelplusungut. Auch ich stecke mitunter Kritik für meine allzu verschachtelten Satzmonstren ein (freilich oft mit Recht). Aber es gibt dennoch Momente, in denen selbst der Verfasser dieser Zeilen fassungslos vor dem Flimmerschirm sitzt und denkt: Herrschaftszeiten, komm mal runter von deinem Ross. Wenn du mir etwas sagen willst, dann tu’s, aber nicht auf so eine verschwurbelte und unerträglich affektierte Art.

Auf einen veritablen Schwafelhengst, der in einem nicht uneklatanten Ausmaß Bullshit verschleudert, stieß ich während der Webrecherche zu einem eher unwichtigen Problem in einem Computerspiel. Pass auf: worldofplayers.de-Forum, “Politik und Gesellschaft”-Ecke. Ausgangsfragestellung: Findet ihr es sinnvoll, wenn im Saturn die Spielekonsolen erst um 14 Uhr eingeschaltet werden, um Schuleschwänzern keinen Anreiz für ihr schändliches Tun zu bieten? Zuerst: Vorhersagbares Geplänkel. Doch nun betritt der Champion aller Gewichtsklassen den Ring.

ewek emelot

Auf das Zitat

Wir ham auch immer geschwänzt obwohl niemand von uns zum Saturn gegangen is was spielen…

Halte die Aktion letztendlich für sinnlos, wenn man keinen bock auf Schule hat findet man immer ne bessere Beschäftigung.

antwortet er:

Ob man zur Schule geht ist letztlich auch eine Frage der Disziplin (in einem positiven Sinne, also nicht blinden [sic][1] Gehorsams [sic], sondern der Fähigkeit, bloßen Neigungen zu widerstehen und in Hinblick auf langfristige Ziele verantwortlich zu handeln). Diese Disziplin widerum will anerzogen werden. Wenn aber Teile der Gesellschaft der Disziplin zuwiderlaufende Anreize bieten, also das Projekt der Erziehung untergraben, so wird eine Sozialisation in Hinblick auf eine verantwortungsbewusste Teilhabe an der Gesellschaft erschwert.
Es ist für Lehrer und Eltern sehr schwer, Schülern zu erklären, dass diese zur Schule zu gehen haben, wenn andere “Autoritäten” bzw. Einflussinstanzen den Schülern gegenteilige Normen suggerieren.
Vielleicht trägt die Praxis, die im Eröffnungsbeitrag angesprochen wurde, einfach mal wieder der Tatsache Rechnung, dass Erziehung nicht nur Sache von Eltern ist, sondern durch die gesammte [sic] Gesellschaft vollzogen wird. Das ist nämlich bei uns ziemlich unüblich (man muss sich nur mal anschauen, wie empört manche Eltern reagieren, wenn mal ein anderer Erwachsener ihr Kind wegen irgendeines Fehlverhaltens ermahnt: “Lassen Sie mein Kind in Ruhe! Wie ich es erziehe, ist allein meine Sache.”).
Insofern schließe ich mich MichaDD und Planoraka in deren positiver Bewertung an.

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  1. Weil ich den Kerl nicht leiden kann, markiere ich — ganz klugscheißerisch — jeden Fehler in seinen Zitaten [zurück]

Worauf wir uns alle einigen können

Frank, 10. May 2008

Populismus hat einen Namen.

Die Linke

Dieser, man will sie ja kaum so nennen, Partei ist in ihrem Welteroberungskalkül kein rhetorisches Manöver zu ruchlos, um der Vox Populi, den Stammtischen der Republik, nach dem geruchlich auf die preisgünstigste Biermarke am Orte gemahnenden Maule zu reden: Hartz IV sei unsozial, die Bundeswehr habe im Ausland nichts zu suchen, der grassierende “Turbokapitalismus” schwerwiegende Folgen für die unpriveligierte Mehrheit, Skepsis gegenüber der Machtverschiebungen im Rahmen der EU-Reformen sei angebracht. Sie bildet in ihrer revoluzzerhaften Dauerverneinung des Bewährten und / oder Guten einen unangenehmen Kontrast zu der an Pragmatismus, Sachlichkeit und Lösungsfindung orientierten Politik, die die anderen Fraktionen in den Parlamenten der Republik praktizieren. Ganz klar: Die Linke strebt einen Systemwechsel an, und sei es nur einer im Denken. Daher gehört sie in die selbe Kategorie wie die NPD eingeordnet, vom Verfassungsschutz beobachtet, bestenfalls gleich ganz verboten.

Das beste Argument gegen sie freilich ist ihre Vergangenheit, von der sich die Postkommunisten nie ganz distanziert haben. Die lose Vereinigung aus obskuren Gruppierungen wie Trotzkisten, Sozialschmarotzern, DDR-Nostalgikern und Ex-Sozialdemokraten lässt gerne unerwähnt, dass sie früher Linkspartei hieß. Die wiederum die Nachfolge der PDS antrat. Die wiederum in direkter Linie aus der DDR-Einheitspartei SED hervorging. Welche, wie wir alle wissen, Josef Stalin persönlich aus sich selbst gebar. Und so etwas regiert die Stadt Berlin! Anstatt dass sie sich hinsichtlich ideologischer Säuberungsmaßnahmen an der konsequenten Entnazifizierung in der CDU ein Beispiel nimmt oder zumindest das pseudodemokratische Mimikry aufgibt und so zu ihrer ureigenen gedanklichen Linie des Bolschewismus steht wie die SPD zur Sozialdemokratie, gibt man sich jung, modern und chic; lockt auf diese Art Unmengen an jugendlichem Wahlpotential ins planwirtschaftliche Verderben; korrumpiert die Koalitionsbildung wie jüngst in Hessen. Jugend, wollt ihr denn nicht verstehen, dass ihr es hier mit der Ex-Ex-Ex-SED zu tun habt? Wählt sie nicht, die tumben Populisten.

Falls Sie selbst Politiker sind und in die unangenehme Lage kommen, dass die Linkspartei einer ihrer Forderungen zustimmt, müssen sie in den sauren Apfel beißen und sich notfalls von sich selbst distanzieren. Die Linke und ihre sogenannte Politik sollten in jedem Fall eine No-Go-Area sein. Keinen Fußbreit den Kommunisten!

Als beispielhaft erschütterndes Dokument des linksparteilichen Manipulationsapparats sei hier nur auf eine Rede des, übrigens notorisch populistischen, Parteichefs Oskar Lafontaine verwiesen. Bitte behalten sie dabei im Hinterkopf, dass es manipulatives Gedankengift ist, das der, in der SPD mit Recht nur noch “Verräter” genannte, Saarländer hier absondert.

Sollte hier eine spontane politische Desorientierung erfolgen, hat das Blog “CSU gewinnt” die passende kalte Dusche parat.

Meine Bitte an dieser Stelle: Werden sie in Gesprächen, in Zeitungsartikeln, in Blogeinträgen nicht müde, vor der Gefahr zu warnen, die von der Linken ausgeht. Denn sie ist gefährlich. Weisen sie stets darauf hin, dass es sich hier um Kommunisten handelt, die Derivate eines unmenschlichen Systems, die Ex-SED, sozialverträumte Linkspopulisten. Hüten sie sich bei genauerer Betrachtung der Linken, die gleichen Maßstäbe wie bei anderen Parteien anzuwenden, denn sie ist keine gewöhnliche Partei. Interne Meinungsverschiedenheiten sind stets als “Zerreißprobe” zu werten, Krtitik an der Regierungspolitik als “Querulantentum”, Wahlkampf ist “eiskaltes Machtstreben”, ihre Vorschläge zur Modifizierung der Sozialsysteme sind grundsätzlich “unfinanzierbar”, sowieso ist alles was von ihnen kommt als “purer”, respektive “blanker Populismus” zu werten.

Ein schönes Beispiel hierfür stellt ein Beitrag im Blog “coffeeandtv” dar. Auch in einer vergleichsweise harmlosen Schallplattenrezension kann, gut verpackt, eine aufklärerische Botschaft in unserem Sinne übermittelt werden:

Von der Produktion her der spannendste Song der Platte, textlich zwischen den Extremen mit einigen tollen Zeilen und dann mit einem Slogan, den die Linkspartei vermutlich schon zum ersten Mai geklaut hat: “Für die einen sind es Menschen mit Augen, Mund, Ohren / Für die anderen Kostenfaktoren”. Sozialkritik gut und schön, aber der Satz geht mir echt zu weit.

Sehr gut, richtig so. Wir, die politisch gebildeten Staatsbürger, müssen endlich die Köpfe der Masse zurückerobern. Lesen sie Spiegel, FAZ und Welt, da bleiben sie unabhängig und überparteilich über die Machenschaften der Roten informiert.

Weg mit der populistischen Sozialanbiederung an den Mann von der Straße! Weg mit den leeren Slogans! Das Volk sind wir!

Justice – STRESS

pantoffelpunk, 3. May 2008

Wer niemals eine Chance bekommt, an dem teilzuhaben, was das Umfeld als Lebensnotwendigkeiten definiert, dem bleibt nur Resignation. Alternative: Zerstören, was die Anderen lieben…

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