Archiv für den March 2008

Peer reviewed

Sebastian, 20. March 2008

Du hast es geschafft, Peer, die Leute reden wieder von Dir, nachdem sie dachten Du wärst weg, auf und davon und krepiert. Shit, das ist zu emotional, ich bin ganz ruhig, rational, ich geh back zum Anfang und sag es Dir noch einmal.

Lieber Peer, Du bist jetzt also ein Gangsta-Rapper, nein, viel witziger, ein RaPeer, oh wow. Umgeben von tighten Bitches, die Dich würde-und hüllenlos umschmeicheln und hippen Slangausdrücken direkt aus dem PONS-Wörterbuch der Jugendsprache 2008 schickst Du Dich an, der Jungwählerschaft mit dem eher wenig subtilen Raptitel “I love Cash” den Segen des Geldes nahezubringen. Bzw, haha, ist ja alles nur ein kleiner Gag der PR-Agentur Deines Ministeriums, welche sich offensichtlich in tiefstem Zorn und voller Rachelust von Dir trennt. (Kleine Zwischenfrage, aber wtf? Wozu braucht ein Ministerium eigentlich eine PR-Agentur? Damit der Bürger sich nicht für ein anderes Finanzministerium entscheidet? Lass es, ich kenne die Antwort: Dem Bürger soll kommuniziert werdschnaaaarch. Andere hätten die Idee, die sich in etwa auf dem Niveau der Flashgams der späten 90er befindet, übrigens für einen Bruchteil des vermutlich unfassbar riesigen Budgets realisiert.)

johnnyCash

Don’t fuck with Cash.

Denn es sei Dir hiermit gesagt: Das ist ganz, ganz große Scheisse. Die Idee, Politiker auf Gedeih und Verderb auf jung zu trimmen, habe ich in dem Augenblick für verfehlt erklärt, als ich im Schleswig-Holsteinischen Wahlkampf 2000 mit ansehen musste, wie Volker Rühe (CDU) in einer Disco zu “fetziger” Technomusik “gegroovt” hat. Ich habe heute noch Phantomschmerzen an den Stellen, an denen sich früher die für’s Fremdschämen zuständigen Synapsen befanden. Und grade jetzt pocht es wieder ganz gewaltig.

Witzig ist aber die Idee, dass man Dir einen echten Afro aufsetzen kann, denn der Rap hat seine Roots ja bekanntermaßen in der schwarzen Kultur (schon die Sklaven auf den Baumwollfeldern haben Sprechgesang performt, da ihnen das Singen verboten war, Quelle: Eine Beepworld-Seite eines 16-jährigen Nachwuchsrappers). Gut, die Inhalte waren damals noch andere, ging es doch eher um die Anprangerung sozialer Missstände, was heute wohl nicht mehr “cool” ist, aber dem Geiste der Rebellion entsprechend als Mitglied der altehrwürdigen SPD das Kapital als solches zu feiern, hat natürlich auch was, insofern finde ich die Aktion schon “real” (sprich: riel). Tipp: Weiter Cash geil finden, aber als Beat die Internationale drunterlegen, das wäre fett.

Bleibt nur zu hoffen, dass sich im Bundestag genug Mitarbeiter finden, die für euch das Internet bedienen, denn dank viralem Marketing, katalysiert durch den ein wenig aufdringlichen Button neben Deinem DJ-Pult, wird das “Ding” sicher bald seine Runde durch sämtliche Büros Deiner Homies machen. Peace, I’m outtahe.

ich weiß nicht wieso ich euch so hasse, fahrradfahrer dieser stadt

ovit, 14. March 2008

sich über den streik aufzuregen, das ist zu einfach, dachte ich, das haben wir ja auch schon gemacht, dachte ich, da kannst du dich ja gleich über jedes dahergelaufen popsternchen aufregen, dachte ich, als ich heute morgen aus platzmangel in der s-bahn halb auf einem fahrrad lag und genüsslich meinen kaffee to go trank. meine rückenwirbel verschoben sich allmählich und mit steigendem schmerzgrad und der wachsenden erkenntnis, dass sich in naher zukunft keine chance der bewegung ergeben würde, verfluchte ich die ganze welt auf das schlimmste.
ein seltsames phänomen spielt sich bei einem streik im öffentlichen nahverkehr ab. da sollte man meinen, die menschen greifen auf ihre fahrräder zurück um unabhängig von diesen verkehrsmitteln zu sein, aber ganze anders der mensch er ist, als er sein sollte. er rennt mit seinem rad richtung s-bahn und guckt, ob da nicht noch ein quadratmeterchen platz für ihn und sein rad ist. scheißegal, ob überhaupt noch menschen reinpassen, der arme radfahrer ist vom streik schließlich ganz besonders betroffen. im kollektiv stehen sie mit ihren versifften und verdreckten rädern auf den bahnsteigen und drängen in die bahn hinein. scheißegal auch, dass gerade stoßzeit ist.
ein befreundeter radfahrer versuchte eben jenes auch, allerdings mit der erkenntnis, dass es keinen sinn hat, sein rad mitzunehmen, weil man mit einem rad gar nicht in die bahn hineinpasst. das sehen horden von menschen ohne verstand aber mal komplett anders und im besten falle erwarten sie dann rücksicht von ihren mitmenschen, da es für sie ja besonders schlimm ist, dass sie da mit dem fahrrad sich reinquetschen müssen, wo grundsätzlich gar kein platz mehr ist und gucken dann aufgeregt hoch mit dem blick “jetzt mach doch mal platz hier, ich hab doch schließlich ein fahrad unterm arm, sieht doch jeder!”
der besitzer des fahrrads, auf dessen korb ich heute meine morgendlichen rückenübungen vollbrachte, wollte dann irgendwann raus aus der bahn, jedoch steigt man am hackeschen markt nicht aus und so fuhr er also eine station weiter richtung friedrichstraße um mit der dort aussteigenden menschenmasse endlich die bahn zu verlassen. hätte ich nicht gerade musik gehört, so hätte ich vielleicht auch noch gehört, was er den menschen an den kopf geworfen hat, die ihm und seinem fahrrad vorher den ausstieg verwehrt haben. vielleicht hätte er mehr tun sollen als nur dem vordermann auf die schulter zu klopfen, um sein anliegen zu verdeutlichen.
aber es war mir ein genuss, seine erregung, seinen ärger, seine verzweiflung zu sehen. mir ging es dank ihm auch nicht anders.

Sie verlassen den amerikanischen Sektor

.markus, 9. March 2008

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Bild (cc)

Wenn man den ideologischen Populismus der letzten Politikdebatten folgt, muss man fast annehmen, wir sind nur noch einen Schritt von DDR-Verhältnissen entfernt. Die Linke schreckt gerade die letzten Hunde hinter dem Ofen hervor, die noch einmal die Parolen aus dem Kalten Krieg bellen dürfen und überhaupt bemüht man sich reflexartig aller dumpfen Vergleiche mit der DDR. Das treibt dann so bizarre Blüten, dass der als “Schraubenkönig” betitelte Milliardär Reinhold Würth sich öffentlich um sein Vermögen Sorgen machen darf und die Bundesrepublik Deutschland bereits auf einem “geradlinigen Weg in eine DDR-ähnliche Zeit, in eine Edel-DDR” sieht.

Edel-DDR. Ein Wort, das man sich auf der Zunge zergehen lassen muss. Edel-DDR. Mir zucken die Synapsen noch vom Lachkrampf, Herr Würth. Edel-DDR. Das müssen Sie mir erklären. Was bitteschön ist eine Edel-DDR?

Anarchy in the BRD

Frank, 5. March 2008

BVG-Streik
Bild: thosch66 (cc)

In Berlin wird der Nahverkehr bestreikt. Ab heute stehen die Busse, U-Bahnen, Straßenbahnen und Fahren still, ab Montag, falls die GDL Eier hat, auch die S- und Regionalbahnen. Dass dadurch umso mehr Autos auf den Straßen sein werden, ist abzusehen, genau wie die dadurch noch derberen Staus zu Berufsverkehrzeiten. Hallelujah, das war ja gestern schon ein Gewusel. Man ahnte, dass die vielen Leute in der U5 alle nochmal wichtige Besorgungen machen wollten, am Alex oder so, bevor’s für 10 Tage nicht mehr geht. Als ob uns jetzt irgendwas Atomares bevorstünde: Schnell noch mal ein Kaffeeservice im Kaufhof erstanden, ein Uhrenradio bei Saturn ergattert, Rinderhack in Weißmehltunke bei Burger King vertilgt. Das Ende ist nah, carpe fucking diem!

Mich fragt ja keiner, aber ich finde so lange wir Freunde haben, auf die wir uns verlassen können, ist noch nicht alles verloren. Drum müssen wir jetzt auch bei den Amis fragen, ob sie uns vielleicht mit einigen liebevoll “Rosinenbomber 2.0” genannt werdenden Armeeflugzeugen aushelfen, welche die ganz besonders dringend Transportbedürftigen von einem Punkt zum anderen befördern. Die Achse Tegel – Schönefeld, mit Zwischenstopp in Tempelhof wäre doch ganz effizient, einmal quer über Berlin, und auch Fridolf, nein – Friehelm, nein – Friedbert Pflüger (Nichtberliner wissen aus gutem Grund nicht, wer das ist) hätte sein Steckenpferd befriedigt, innerstädtische Lärm- und Dreckherde in relevanter, geschichtsbewusster Nutzung zu erhalten. Was gewiss ein angenehmes Gefühl in ihm hervorruft.

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Wer zu brauchen Spott, kein Sorgeschäd hat

Frank, 2. March 2008

Geschäftige Betreiber der Website “germanypop”!

germanypop

Es gibt ein paar Fehler, die man nicht begehen sollte, wenn man, wie man so schön sagt, startupt. Zum Beispiel:

  • Versuchen, eine hinlänglich bekannte Geschäftsidee, hier: Social Bookmarking a la Digg, in der 728sten Version auf den Markt bringen. Ohne irgendeinein auch nur im Ansatz erkennbares Alleinstellungsmerkmal.
  • In Blogs Kommentare ohne Bezug zum eigentlichen Thema, aber mit der URL zu eurer tollen Seite posten, welche selbst ein Blinder am Krückstock als werblichen Kommentar / Maßnahme zum “Suchmaschinenmarketing”, oder schlicht Spam, identifiziert.
  • Einen solchen Müllkommentar gleich mehrmals in identischer Form einzureichen.
  • In dieser Pseudo-Pressemitteilung auch noch ein skurriles Verständnis der deutschen Sprache an den Tag legen.
    Jake
  • Anhand der Kommentar-IP-Adresse problemfrei als in Malaysia beheimatet zu erkennen sein. Was prinzipiell kein Problem wäre, wenn ihr da nicht ein deutschsprachiges Portal aufziehen wolltet.
  • Als Seitentitel ausgerechnet ein absolut ausgelutschtes Wort wie
    pop
    wählen und weiterhin behaupten, dass es sich dabei um eine eingetragene Marke handele.
  • Als Seiten-Untertitel orthographisch strange, jedoch größenwahnsinnig oszillierend
    popularitat
    zu wählen.
  • Trotz illustrer Themenkategorien wie “News”, “Wissenschaft & Tech” sowie “Gerüchte & Schwätzt” (!) erst für einen einzigen “Social Bookmark” gesorgt haben,
  • bei dem es sich zudem lediglich um ein überhaupt nicht lustiges YouTube-Video namens “Lustige Affen” handelt, eingereicht von einem User namens “langweilen”. Einem Ausschnitt aus einer amerikanischen Version dieser unsäglichen “Pleiten, Pech und Ausgerutscht”-Sendungen, welcher im ersten, übrigens auch überhaupt nicht lustigen, Audiokommentar ausgerechnet ein Sprüchlein über “failed dotcoms” absondert.

Nee, um ehrlich zu sein regt mich das nicht auf. Ich find’ das höchstens niedlich. Immerhin — und das zeichnet euch aus, ist ja keine Selbstverständlichkeit usw. usf. — seid ihr ein Web 2.0-Unternehmen, welches sich (in der Fußzeile) dazu bekennt, dass die ausgestellten Inhalte nutzergeneriert sind.

Dies ist Benutzer-generierte Inhalte, wie sie lizenziert unter der Quelle, oder kann Public Domain-Inhalten.

Die Mannschaft der Craplog Wünsche von germanypop alles zur Mannschaft erdenklich Eigenschaft und zu vielem Erfolg.

Schwanger mit 50

ovit, 1. March 2008

Sarah Connors Mutter erwartet Zwillinge
– ohne Kommentar –