Archiv für den February 2008

Penetranz vs. Filmvergnügen

Frank, 14. February 2008

Videothek

Lieber Kunde,

es ist doch gar nicht so schwer zu verstehen. Schau mal: Ich kann dir keine Mitgliedskarte ausstellen, wenn kein Vertrag von dir da ist. Und ich kann mit dir keinen Vertrag machen, wenn Du dich nicht ausweisen kannst. Da ist mir egal, was mein Kollege gestern gesagt haben mag und da kannst Du mich belatschen so lange Du willst — es geht einfach nicht.

Wenn deine sinnlosen Überredungsversuche dann aber noch minutenlang mit mantraartiger Wiederholung des Null-Arguments “Ich wohn gleich um die Ecke” in den nach einem eh schon beschissenen Arbeitstag wohlverdienten Feierabend hinein angereichert werden — dann, mein Lieber, ist es bei aller Liebe zum Kunden absolut kein Wunder, wenn ich irgendwann gepflegt in die Luft gehe.

Herzlichst,

deine Ausleihschlampe freundliche Servicekraft aus der Videothek

[Dieser Beitrag hängt irgendwie zusammen mit Wenn Kunden zu sehr nerven und Prosa wie sie sein soll: Auf der Arbeit]

Bla Bla, Plattitüden

.markus, 8. February 2008

Die menschlichen Sprachverarbeitungsprogramme der Abteilung “Blogs & Kommentatoren GmbH” sind quantitativ unschlagbar. Im Überfluß (hier wahlweise auch als Adjektiv benutzbar) an Text, reiht sich Buchstabe an Buchstabe, Wort an Wort, Satz an Satz und bevor man sich’s versieht – zack – schlägt irgendwo wieder eine dieser Plattitüden zu. Sie verstecken sich ganz hinterhältig zwischen Floskeln und allgemeingültigen Aussagen, langweilen oder ärgern den Leser, während sich der Verfasser noch immer besonders eloquent und geistreich wähnt.
Die weisen Worte kluger Köpfe zieren ja dank Zitatdatenbanken und Copy & Paste allzu häufig diverse Blog-Artikel, oft brutal in einen Zusammenhang mit der darunter liegenden Ansammlung von Buchstaben gepfercht. Allein die Summe der Verwendung des gebräuchlichsten Einstein-Zitates ist unendlich. Da kann man sich sicher sein. Hinter jede nicht ganz von Zweifeln befreite Statistik wird der olle Churchill geklemmt, mit dem ihm zugeschriebenen Spruch. Willkürlich gestreute Zitate als Aufhänger sinnbefreiter Textwülste sind aber nur eine kleine Plage. Viele wählen ihre Zitate zwar nicht besonders originell, aber dafür immerhin im Zusammenhang aus. Für Zweisatzartikel mit Link und Youtube-Video braucht’s ja auch kein Spruch von Bertolt Brecht. Da muss man geradezu dankbar sein.
Ganz grausig sind dagegen die Plattitüden. Die vor lauter Spruchreifheit durch und durch faul gewordenen Sprichwörter. Das textliche Äquivalent vom verbalen “Stammtisch-Jaja”. Es sind die leeren Worthülsen, die das bescheidene Gemüt des Ausscheiders aufzeigen, wenn mal wieder ohne wirkliche Aussage eine Diskussionsbeteiligung simuliert wird.
Ganz oben auf der Lieblingshassliste der Top-Plattitüden steht bei mir “Und das im Land der Dichter und Denker…”, wahlos unter irgendein Deutschland betreffendes Thema geklatscht. Ich bekomme von solch schaurig seichten Worten so ‘ne harte Gänsehaut, dass man damit Igel frisieren könnte.

Chefredakteure, miese Wortspiele, Blogs, SEO-Spammer: Alles Arschlöcher

Frank, 6. February 2008

Vögel
Danke, Gott. Für’s Spatzenpfifferl!

Eigentlich sollte ich mir abgewöhnen, Blogs zu lesen. Warum? Weil’s mir Spaß macht. Ja, das ist paradox, aber auch ein Beispiel, wie man einen Blogartikel halbwegs elegant einleiten könnte.

Bei neun von zehn mir unbekannten Blogs finden sich aber statt solch netter Hooks am Anfang von Artikeln zu Themen die mich interessieren könnten, die ich vielleicht sogar wahnsinnig gerne lesen würde, lediglich Massengräber von YouTube-Videos, Plugin-Spielwiesen, unreflektiertes Werbegeseiher der Apple-Templer, öde Ereignisse aus dem öden Leben öder Menschen, A-Blogger-Speichelgelecke, Spam jeder Art, SEO-Dreck und vor allem – die Beulenpest unter den Blogkrankheiten – Spatzenpfifferl

Diesen hübschen Begriff habe ich soeben höchstselbst erfunden. Er beschreibt jene Blogartikel, die keinen Arsch interessieren, weil das Thema durch ist, überall behandelt wird, jeder eine Meinung dazu hat, kurz: die Spatzen den Artikelinhalt bereits von den Dächern pfeifen. Nehmen wir zum Beispiel Stefan Aust. Der wurde ja vor ein paar Monaten von der Spiegel-Belegschaft durch Vertrags-Nichtverlängerung abgestraft, mutmaßlich dafür, ein tyrannischer Volldepp zu sein. Okay, das war die Nachricht, mehr muss man darüber nicht verlieren. Was aber macht die Blogosphäre? Ergeht sich dutzendweise in Wortspielorgien (“Aus! für Aust”, “Aust die Maus”, “Aust-ritt”, “Aust, das Spiel ist Aus!”, “Austgespielt”, “Stefan Aus”, “Austisten unter sich” und viele mehr) und mutmaßt langweiligerweise, wer denn der Nachfolger des enthusiastischen Windradhassers und Pornoblättchenkolumnisten mit Pferdefaible wird – als ob nicht völlig klar wäre, dass der nächste “auf dem Thron” als Grundvoraussetzung nur ein ebensolcher Dödel werden kann. Ist ja dann auch so gekommen, zu 50 Prozent mindestens.

Jetzt schlägt’s jedoch 13: Stefan Aust ist nicht nur ein Penner, sondern auch noch ein geldgeiler Idiot, versucht sich knapp 5 Millionen vor Gericht zu ergaunern, wird deswegen verfrüht geschasst — und wo muss ich das erfahren? In meinem Feedreader, einem Medienblog, unter der grenzdebil wortverspielten Überschrift: “Aust und vorbei”.

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be good? bigott.

Frank, 1. February 2008

Eine sogenannte Nachrichtensendung, die mich umfassend über die neuesten Weirdo-Stories von Britney Spears informiert, danach lang und breit über ihre Krankheitsgeschichte referiert, mir eine Diagnose für den “Ex-Teeniestar” an die Hand gibt (es ist was Psychisches), Bilder ihrer traurigen Kinder und ihres verstörten Ex-Ehemannes zeigt, danach noch ein paar flockige, tittenbetonte Ausschnitte aus Musikvideos des Mädels bringt und es wagt, sich zum Schluss auch nur im Ansatz kritisch gegenüber der Verfolgung Spears’ durch Paparazzi zu äußern, die gehört nicht nur nicht geschaut, die gehört geächtet.

Wo muss ich unterschreiben?

Frank, 1. February 2008

sherman_tank
Foto: MarkKelley (cc)

Ich möchte bitte mitmachen, wenn’s jetzt in den Krieg geht. Ich will Verantwortung übernehmen für mein Vaterland. Ich hab damals zwar nur Zivi gemacht, aber im Krankenhaus, Unfallstation, das kann nützlich sein. Ich spiel auch am Computer viel sowas. Scharfschütze und Grenadier im zweiten Weltkrieg zum Beispiel. Das Feeling hab ich, ich trau mir das zu! Mir geht’s um die Nation. Meine Ehre, die Verteidigung meines Staates. Nicht so Nazi-mäßig, eher so freundlich wie bei der WM. Gegen wen kämpft man da eigentlich? Ich glaub ja nicht, dass das immer so schlimm ist wie alle sagen, im Film und so… Na, mit dem Abballern von Leuten. Ich meine, dafür macht man das doch. Ist eben dein Job. Die Entscheidung treffen andere — die über dir sind das Hirn, du bist die Hand und gut. Okay, bei Kindern isses natürlich schade drum, wenn da was passiert mit denen. Aber Terror ist schließlich eine ernstes Problem. Ist ja nicht irgendwer, der da um Unterstützung fragt, sondern die NATO. Unsere Freunde! Diese Tarnanzüge sind wirklich krass. Autos mit Vierradantrieb fahren und nicht an den Benzinpreis denken müssen. Kann man auch Panzer fahren mit normalem Führerschein (Probezeit habe ich grade überstanden)? Ich hab mal einen Film gesehen, da sind die Amis mit dem Tank durch die Wüste, Irak, und haben so richtig laut, mitten im Gefecht, Bloodhound Gang gehört. We don’t need no water, let the motherfucker burn. Burn, motherfucker, burn. War das geil! Überhaupt, ein geiler Job. Mein Kumpel ist auch beim Bund, der sagt, so eine Kameradschaft wie da, die findet man sonst nicht. Super Aufstiegsmöglichkeiten und studieren kann ich auch noch. Also: Wo muss ich unterschreiben?