Frank, 28. November 2007

Es gibt dieser Tage keine konsensfähigere Meinung in der deutschen Blogosphäre als die, dass Wolfgang Schäuble wahnsinnig, die Vorratsdatenspeicherung scheiße ist. Stimmt ja im Prinzip auch (der Titel dieses Eintrags ist nur ein Eyecatcher). Es folgt eine vom hochprozentigen Geist des Jedoch geschlürft habende Einfügung.
Vorschlag meinerseits: Könnte man nicht übereinkommen, dass ein solch lustiges Eselsöhrchen rechts-oben oder ein Layer-Werbung-Style-Botschäftchen nur noch jene auf dem eigenen Blog installieren, die den gegenwärtigen Kurs in Richtung totaler Überwachungsstaat gut finden? Natürlich müsste man die Message dementsprechend ändern, vielleicht in “09.11.2007: Geburtsstunde von Stabilität, Sicherheit sowie Effizienz in der Bekämpfung von Terrorismus und Raubmordkopien “, aber bestimmt geht das ganz einfach. Die Technik ist ja da.
Der Grund für meinen Unmut: Anfangs war’s ja ganz neckisch, aber mittlerweile, da sie jeder hat, gehen mir die Ja-auch-ich-bin-dagegen-Wimpel vom AK Vorrat viehisch auf den Sack. Das ist wie mit TV-Werbungen, die auf einem Gag basieren: Am Anfang, vielleicht die ersten drei Male oder so, schmunzelt man noch. Wenn aber die kurzröckige Blondine auch nach drei Jahren noch das Schlagzeugfell kaputttrommelt und hysterisch lachend fragt, wo der Deinhard-Sekt stehe, ist der Punkt längst erreicht, an dem aus Aufmerksamkeit ein Gemisch aus Anödung und Genervtheit entsteht. Zurück zu den Pagepeels: Sie sind hässlich, bewegen sich (auf einer Website hat sich in der Regel nichts zu bewegen), erhöhen die Ladezeit der Seite, erforden unnötige Mausbewegungen und -klicks, versperren den Blick auf die Seite und deren Anzeige geht auch nicht per Werbeblocker zu verhindern. Und überhaupt: Das Anliegen mag okay sein, aber zu glauben nur weil man ein Bild postet, einen Link setzt oder sich per Sidebar-Button mit irgendeiner Aktion, die gerade die Runde macht, solidarisiert, würde man irgendwas bewirken, ist ziemlich naiv. Man kann Feuer nicht mit Feuer bekämpfen, sprich: das Rudel der Ignoranten ist nicht zu besiegen, indem man neue Rudel bildet, die sich von ersteren nur durch halbherzige symbolische Gesten unterscheiden.
Versteh mich nicht falsch. Auch ich finde, dass Kommunikation und Aufklärung, ja auch die konzertierte Aktion wichtige Mittel gegen das Unbill in der Welt sind. Aber dann doch bitte richtig und nicht so Live Aid-mäßig[]. Wenn Du gegen Schäuble bist, dann schreib darüber, warum. Was Du mitbekommen hast, wie es dich heute betrifft, was Du befürchtest, was Du dabei empfindest. Es muss ja nicht gleich ein so fantastischer Rundumschlag wie “Ich bin müde” von Björn sein, schreib einfach etwas anderes als das, was alle schreiben. Geh auf die Straße, fordere politische Konsequenzen (z.B. den Rücktritt von IM “GröVaZ” Schäuble). Beschäftige dich damit wie du deine Bürgerrechte auch im Polizeistaat wahrst (z.B. mit E-Mail-Verschlüsselung), geh die richtigen Parteien wählen (z.B nicht die CDU). Schmiere Botschaften des Unmuts an Häuserwände (z.B. einen per tinyurl verkürzten Link auf regimekritische Websites). Red mit deinen Freunden und deiner Familie, was die politischen Entwicklungen für sie bedeuten und wenn Vati am Abendbrotstisch meint, er habe ja nichts zu verbergen ist das der richtige Moment ihm zu eröffnen, dass Du die Schmuddelheftchen in der Sockenschublade schon vor Jahren entdeckt hast. Tu einfach was. Sich ein doofes Banner ins Blog zu pappen reicht bei weitem nicht.