Archiv für den Oktober 2007

öffentlicher terror

cipha, 4. Oktober 2007

öffentliche verkehrsmittel sind folter. man erreicht die orte, die man gerne erreichen möchte, zu definitiven unzeiten. man sieht menschen, die man niemals sehen wollte und bekommt dinge mit, die man nicht im entferntesten hören wollte. man sitzt dicht gedrängt zusammen mit dem querschnitt der gesellschaft, auf den man gut und gerne auch verzichten könnte. es stinkt. am wochenende wird aus den fenstern gekotzt. kleine wichte hören auf ihren multimedia-handys unnütze musik in einer lautstärke, dass es der komplette zug hören kann, aber eigentlich gar nicht hören will. (wisst ihr noch, was ihr mit 10 oder so gehört habt!? there you go.) die anderen passagiere sind entweder zu dick, zu alt, zu jung oder zu hässlich. die romantische annahme, dass zumindest einmal pro tag eine natürliche schönheit vorbeikommt, die einem den tag dann rettet, ist nicht mehr als ein hirngespinst. ohne kopfhörer bist du verloren. am besten liest man mit gesenktem kopf irgendwas und wenn es nur die werbeseite vom saturn ist, nur damit man das elend nicht mitansehen muss. baby-gepläre, viel zu junge mütter. manager mit laptops und smartphone. handy-junkies. handy-junkies. handy-junkies. alle zwei minuten ein zwischenstopp. versiffte sitzplätze, mcdonalds-reste, ausgelaufene müllermilch-packungen, klebrige cola auf dem boden, fettige flecken von an die fenster gelehnten köpfen unbekannter herkunft, man kann die bakterien förmlich auf den stangen, haltegurten und stopptasten tanzen sehen. jemand niest, shit, dann nochmal, fuck, ich stehe auf, verzichte auf meinen sitzplatz und stehe lieber.

multipliziert man diese szenerie mit 18 monaten und addiert noch sämtliche attribute eines “ganz normalen tages mit öffentlichen verkehrsmitteln” dazu, die ich vergessen habe, kommt man auf nur ein ergebnis: terror. die tägliche dröhnung von durchschnittlich 30-45 minuten kann ich jedem empfehlen, der im grosstadtdschungel nach neuen extremsituationen sucht.

seit montag habe ich meine fahrlizenz wieder. die öffentlichen nehme ich nur noch, wenn ich wirklich stern-hagel-voll bin. und wenn der scheiss sprit 3€ pro liter kostet: lieber fahre ich fahrrad, als dass ich mir diesen film nochmal gebe. from my cold dead hands. tschüss, ich fahr jetzt.

Gegen den Strom.

pantoffelpunk, 4. Oktober 2007

Schönes Wetter heute.

Unverdient untot

Sebastian, 2. Oktober 2007

“Denken Sie links?”, fragt der Kabarettist Rudolf Rolfs in einem seiner Aphorismen, und antwortet sich selbst mit der Gegenfrage: “Kann man rechts denken?”

Zugegeben, das ist etwas hart, aber wohl auch eine Frage der Definition dessen, was man unter “rechts” versteht. Dass es konservative Denker (und natürlich auch linke Dumpfbacken) gibt, sei unbestritten. Doch treibt man das Spiel weiter und fragt, ob man reaktionär denken könne, müsste schon eher ein entschiedenes Nein die Antwort sein, denn das Reaktionäre ist ja gerade dadurch charakterisiert, dass es Denken durch Reflexe ersetzt. Vollends absurd wird es schließlich, wenn man fragt, ob man reaktionär Satire machen könne.

Einer, der das trotz allem versucht und dabei einigen der größten Kulturschaffenden der bundesrepublikanischen Geschichte aufs Grab gepinkelt hat, ist Anfang September vorerst gescheitert – ironischerweise und ausgerechnet am Markt. Die Rede ist von Bernd Zeller, der von 2004 bis 2007 die verblichene Grand Dame der hiesigen Satire, die Zeitschrift “Pardon”, zu reanimieren versucht hat. Wie es Reanimationen längst Verstorbener so an sich haben, war dabei bestenfalls ein Zombie herausgekommen – ein Wesen mit eingeschränkter Vitalität und dramatisch gewandelter Persönlichkeit, dessen Internet-Arm immer noch zuckt.

Zombie

Die “Pardon” war erstmals 1962 erschienen und hatte hervorragende Zeichner und Autoren wie Loriot, F.K. Waechter, Robert Gernhardt, F.W. Bernstein, Hans Traxler, Günther Wallraff, Chlodwig Poth und einige mehr zu einer außergewöhnlichen publizistischen Stimme vereint. Auch betätigte sie sich als Satireguerilla, fungierte so unter anderem als Zünder der Anti-Atomkraft-Bewegung und nahm früh den publizistischen Kampf gegen Springers “Bild” auf, der dank Nörgel-Nigge nun seit ein paar Jahren wieder fortgesetzt wird. Nach zunehmendem Zwist unter den Herausgebern in den 70er Jahren boten Robert Gernhardt, F.K. Waechter, Peter Knorr, Hans Traxler und Chlodwig Poth ihrer sogenannten “Neuen Frankfurter Schule” ab 1979 in der Titanic ein neues Zuhause. Pardon wurde 1982 eingestellt.

Angesichts der eindrucksvollen Geschichte des Blattes ist es kein Wunder, dass die angekündigte Wiederbelebung vor dreieinhalb Jahren Aufsehen erregte – umso mehr, da Leute wie Harald Schmidt, für den Zeller zuvor als Gagschreiber tätig gewesen war, Götz Alsmann, Roger Willemsen, Doris Dörrie und Wiglaf Droste ihre Mitarbeit zugesagt hatten. Doch das grandiose Comeback, das sich abzuzeichnen schien, fiel aus:

Ein halbes Jahr nach dem Neustart bangt “Pardon” schon um die Existenz. (…) Mit 11 000 verkauften Novemberheften ist die Leserzahl unter die von Chefredakteur und Verleger Zeller genannte Untergrenze von 15 000 Lesern gefallen. (…) Die prominenten Köpfe waren Zeller schon nach der ersten Ausgabe weggebrochen.

Dieses plötzliche Wegbrechen ist ähnlich bemerkenswert wie Zellers Weggang aus der Titanic-Redaktion nach nur einem Monat als Redakteur. Zeichnete sich vielleicht doch damals schon die bevorstehende Mutation des einstigen Zentralorgans kritischer Intelligenz zu etwas ab, das ungefähr so progressiv war wie die “Junge Freiheit” und sich auch humoristisch bald auf deren Niveau einpendeln sollte? Hier eine Kostprobe dessen, was zuletzt in Form des Webtickers von dem Projekt übrig blieb:

Abschuss bei Entführung [19.9.2007]

Verteidigungsminister Jung will entführte und als Waffe eingesetzte Flugzeuge vor Erreichen des Anschlagziels abschießen lassen. Die Terroristen brauchen dann gar keine Pilotenausbildung mehr zu machen, weil schon bei der Kaperung der Abschuss erfolgt.

Das ist der vollständige Beitrag, sic. Gehen Sie bitte weiter, es gibt hier nichts mehr zu sehen. Und wenn folgende Miniatur auch einen gewissen Anfangsreiz aus ihrer dadaistisch Franz Josef Wagnerschen Tatterigkeit gewinnt, verfehlt sie dessen poetische Leichtfüßigkeit und vor allem die relative Modernität seines Konservatismus dennoch um Längen:

Kein Terror [9.9.2007]

In Deutschland wurden Terrorverdächtige festgenommen. Sie planten Anschläge als Reaktion auf die terrorfeindliche Hetze.
Sie gehören einer befreundeten Religion an, deshalb ist der offizielle Sprachgebrauch Terror des Friedens.
Von den Milliarden Gläubigen waren es nur drei, das ist statistisch gesehen überhaupt niemand.

Doch Anfang September 2007 stand ja das Aus für “Pardon” schon fest; begreiflich also, wenn Zeller nicht in Bestform und -laune war. Spulen wir also ein Jahr zurück und steigen am 21.9.2006 ein. Hier ging es zur Abwechslung mal um den

Islam. Unsere muslimischen Freunde reagierten beleidigt auf Papst Benedikt, der in einer Vorlesung eine kritische Dialogzeile aus dem 14. Jahrhundert zitierte. (…) Um die Moslems wieder zu beschwichtigen, verweisen wir auf die Papst-Fotostory in der nächsten Titanic.

Das Islam-Muffeln (“Muffeln” scheint wegen des müden Stils passender als “Bashing”), das im Schnitt die Kernsubstanz von etwa zwei Dritteln der Tickerbeiträge und Cartoons ausmacht, paart sich hier mit einem Feindbegünstigungsvorwurf an die Adresse der Ex-Kollegen von der Titanic. Mit ihnen hat Zeller auch ein knappes Jahr später noch keinen Frieden gemacht. So schreibt er am 10. August:

Ein guter Satiriker ist [Titanic-Chefredakteur a.D. Martin] Sonneborn zweifellos, denn immerhin war der bei Titanic, und die Jungs bei Titanic sind bekanntlich die neue Neue Frankfurter Schule. Ihm gelang ein toller Streich: er bezeichnete sich in einem Handbuch der Medienschaffenden als Linker Moralist. Das war eine großartige Persiflage auf den dumpflinken Moralanspruch.

Was damit gemeint ist, wird nicht erläutert, also offensichtlich vorausgesetzt. In dumpflinker Spitzfindigkeit könnte man einwenden, dass es “…als linken Moralisten” heißen müsste; es sei aber nur noch schnell ein dritter Kollegendiss erwähnt, als nämlich Zeller im April von einem Blog der Grumpy Man TVAxel-Springer-Akademie gelobt wurde und die Gelegenheit nutzte, im Kommentarbereich zu betonen, dass er nichts von Martin Sonneborn und sehr viel mehr von sich selbst hält. Hiermit im Einklang behauptet die Unterzeile des Pardon-Titels weiter unbeirrt: “Deutschlands führendes Satiremagazin”, ergänzt durch die Mutter aller Werbeslogans, die daneben steht: “Besser als die Konkurrenz”.

Zwischenzeitlich verteilte die Online-”Pardon” auch gerne mal Unterschichtwatschen. Über eine Studie, der zufolge sozial benachteiligte Kinder schlechter schlafen, hieß es, diese gingen wohl “noch was trinken, weil sie unter Schlaflosigkeit leiden”. Mit mehr Sympathie wurde im Rahmen eines Wettbewerbs die deutsche Opferbürgerseele bedacht, als “Pardon” dazu aufrief, “ein politischkorrektes Wort für Migrant / Migrationshintergrund” einzureichen, denn “in fünf Jahren wird auch dieser Ausdruck wieder negativ besetzt sein und man darf ihn nicht mehr sagen, weil das diskriminierend und rassistisch ist”. Auf gelegentliche Leserbriefschreiber, die sich über dieses Vordringen des einstigen Satiremagazins in Dimensionen des Braunbräsigen, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat, beschwerten, reagierte Zeller mit Publikumsbeschimpfung. In den Briefen dieser “Blogwarte” komme nur ein “Schrei nach Liebe” zum Ausdruck, spottete er, und legte ihnen nahe, sich doch zu taz.de – sinngemäß – zu verpissen. Angesichts der real existierenden “Pardon” zu diesem Zeitpunkt ein gar nicht mal so schlechter Rat.

Während die Medienwelt weitgehend ratlos schwieg, erschrak im Juni immerhin unser Co-Craplogger Pantoffelpunk über die dominanten Werbebanner auf der “Pardon”-Webseite: Achse des Guten, Lizas Welt, Politically Incorrect. Ja. Und wenn Zeller nun ankündigt, der “Geist von ‘Pardon’” werde “im Internet weiterleben”, und zwar in einer “Art von satirischem Blog” namens “Darvins Illustrierte”, steht zu befürchten, dass irgendwo im intellektuellen Bermudadreieck zwischen Neocons, Antideutschen und Brachialrassisten tatsächlich noch eine Nische frei ist.

“Das sind unsere Leser? Da kann man nur aufhören”, schrieb Zeller, als sich jemand über die “Pardon”-Kooperation mit “Politically Incorrect” beschwert hatte. Auf den ersten Blick eine beglückwünschenswerte Idee, auf den zweiten noch ein Beschwerdegrund: Von Wiederanfangen war nie die Rede.

Bilder: “Zombie” von Scurzuzu (cc), “Grumpy Man TV Flyer” von edmittance (cc)

Auf Schalke, wenn ich das schon höre

Sebastian, 2. Oktober 2007

Disclaimer: Dieser Text erschien schonmal woanders.

Disclaimer II: Trigami geht mir dermaßen am Arsch vorbei.

Ich habe vorhin das erste mal einen Blogeintrag eines Pur-Fans gelesen. Noch so eine Verschwörungstheorie, die sich in Luft auflöst.

Bislang dachte ich nämlich immer, dass das alles nur ein großes, abgekartertes Spiel irgendwelcher grauen Funktionäre ist, die… ja was eigentlich? Keine Ahnung, mir fällt kein Grund ein, sich etwas wie Pur auszudenken. Aber das erschien mir irgendwie realistischer als die tatsächliche Existenz von Pur. Es scheint diese Band aber zu geben. Damit sind wohl auch all die Fans echt, die ganze Stadien (STADIEN) füllen, um “dem Hartmut” dabei zuzusehen, wie er sich glückselig auf die Knie fallen und sich von den Massen bejubeln lässt.

Zwischenruf: “Ja, aber Sebastian, der widerlichste Live-Augenblick ist ja wohl der, in dem sich MMW in seinem Stück Freiheit am Ende ans Publikum wendet und sagt “Bitte nehmt das, was hier heute abend passiert ist, mit nach Hause”, oder?”

Das ist schon richtig, aber im Grunde ist es die gleiche Kategorie. Stadionrock! Nein, schlimmer, Deutscher Stadion”rock”! Wenn es Mama und Papa mal so richtig krachen lassen! Dann groovt “der Hartmut” Richtung Regenschirme und Sitzkissen, dass die Luft brennt. Da wackelt der Bankkaufmann auch schon mal mit dem Fuß, während der Kohlekumpel sein mit einer Deutschlandflagge geschminktes Töchterschen (mit sch) auf den Schultern trägt. Mutti macht was? Klar, Wunderkerzen in die Luft halten, denn PUR singen noch Lieder, aus dem Leben gegriffen. Die lassen sich nicht verbiegen, die sind einfach “echt”. Jupp aus Köln findet sie “authentisch”, “ne, Nico?”

Das Wort Pathos wurde vor ungefähr 5000 Jahren von einem Griechen erfunden, und zwar, während er in einem Colosseum stand, in dem grade die Spielgruppe Pyros mit dem Sänger Hartulous Engeleropos auftrat. Gnagnagna (< << ich schreibe mich in Rage, ich muss runterkommen).

Ich merke grade, dass Band und Publikum eine viel zu große Angriffsfläche bieten und ich garnicht weiss, worüber ich als nächstes schreiben soll. Über die überprofessionalisierte, aalglatte Performance, bei der es schon längst nicht mehr um irgendeine Message geht, die Leute, die das alles schlucken (ich meine, PUR!), meine Intoleranz, die ja von irgendwo kommen muss (haha), … and so on.

PUR!!!

Endlich Urlaub

Frank, 2. Oktober 2007

flughafen

Man ist gelandet. Der Hals ist ausgedörrt, weil die Stewardessen und Stewards die Getränke nur in Fingerhüte auszuschenken angewiesen sind, weil: Sparmaßnahmen. Man befindet sich in der hässlichsten Flughafenhalle der Welt, hat sich stundenlang den Hintern komatös gesessen, keine Lust mehr auf all die dämlichen Leute um einen herum und weiß, dass einem noch eine beschwerliche stundenlange Busfahrt bevorsteht, der Temperaturunterschied macht einem schon hier drin zu schaffen – und dann das.

Kofferkulis sind die riesigen Einkaufswagen-ähnlichen Gefährte, auf die man das zu 90% sowieso unnötig in den Urlaub mitgebrachte Zeug stapelt, um daraufhin derlei vollgepackt das wegen der willkürlichen Richtungsänderungen unsteuerbare Gefährt in die Hacken ausnahmslos jeder am Wegesrand stehenden Omi fährt.

Amok möchte ich laufen, wenn bei der Gepäckausgabe am Flughafen die Leute mitsamt ihrer kompletten Familie und einem ebensolchen, natürlich quer gestellten, Kofferkuli in erster Reihe das Gepäcklaufband blockieren. JA SACHT MA, HERRSCHAFTEN, ISCH GLAUBET HACKT! Da! Da naht schon mein Gepäck und ich komme nicht dran, weil ihr hier rudelweise Maulaffen feilhaltet und euch breitmacht als gäb’s niemand anders auf der Welt? Argh!

Ich konnte die Aufregung über blöd geparkte Autos (”Wenn der da nicht so stünde, könnten da zwei andere reinpassen!!1”) nie nachvollziehen. Bis zum 2. September 2007 um 19:00 Uhr, in einem Betonquader irgendwo am Mittelmeer.

(Dieser Text ist zweitverwertet, aber im Sinne der hiesigen Gepflogenheiten erweitert. Er erschien zuvor im Rahmen eines umfassenderen Urlaubsberichtes in meinem eigenen Blog.)

pantoffelpunk, 2. Oktober 2007

Horst Schlämmers angeblich lustiger Running-Gag “Ich hab ja Rücken!” funktionierte schon vor 15 Jahren bei den weitaus witzigeren Figuren “Frieda und Anneliese” aus dem “Frühstyxradio” von Radio FFN, einer recht amüsanten Comedy-Sendung, bei der unter anderem Oliver Kalkofe unter der Knute seines Ziehvaters Dietmar Wischmeyer den Hörer mit allerlei Unsinn erfreute. “Ich hab ja auch Kreislauf!” stöhnte eine der beiden Damen jammernd zwischen Sahnekirschtorten und Kaffee, Klatsch und Tratsch sowie den genauesten Schilderungen der Krankheiten des gesamten Bekannten- und Verwandtenkreises. “Ich hab ja auch Kreislauf.” Ich fand das lustig. “Ich hab ja Rücken.” ist aufgrund des Alters dieses Witzes für mich persönlich dadurch ungleich unlustiger, es ist, bei Licht betrachtet, nicht einmal ein Schmunzler, es bringt mich aber auch nicht zur Weißglut.

Das sieht ganz anders aus bei einer anderen ähnlich gelagerten sprachlichen Unsitte, die sich einem Virus gleich durch die gesamte Republik vorgearbeitet hat und keine Grenzen akzeptiert – er nimmt keine Rücksicht auf gesellschaftlichen Status, auf politische Orientierung, nicht auf Alter oder Herkunft der Menschen. Gnadenlos frisst er sich in die Hirne des Wirtes und fällt wie die roten Khmer in das Sprachzentrum ein. Er nistet sich dort in einer kleinen Nische ein und wartet auf “seinen Auftritt”. Bis dahin fällt es kaum jemandem auf, dass auch er befallen ist, denn der Wirkungskreis des Virus’ ist nicht groß. Es gibt infizierte Menschen, die können rhetorisch perfekte Reden elaborierten Sprachcodes vor studiertem Publikum halten, ohne dass das Symptom zum Tragen kommt. Menschen schreiben Romane oder wissenschaftliche Dissertationen – dass sie befallen sind von diesem ekelhaften Virus, niemand merkt es.

Magendarm

Aber wehe, einer von ihnen oder aus deren Familie kotzt, lässt dünn unter sich oder kombiniert wahlweise beides. Dann zeigt der Dämon seine hässliche Fratze, kommt die widerliche Krankheit zum Ausbruch, die sprachliche Pest, die rhetorische Cholera, dann rette sich, wer kann. Vermeide konsequent das Gespräch mit diesen Menschen, stecke Dir etwas in die Ohren, über die der zerstörungswütige Virus sonst seinen rücksichtslosen Weg auch in Dein Hirn findet und die kleine Nische des Sprachzentrums befällt, dort wütet, Gehirnmasse zu einem stinkenden Brei zersetzt, laufe am Besten weg und halte Dich fern, bis diese Menschen mindestens 3 Wochen wieder gesund sind. Mindestens. Die Kotzeritis sollte mindestens 3 Wochen zurückliegen, damit Du nicht Gefahr läufst, dass sie Dir doch noch davon erzählen. Dass sie davon erzählen, dass sie und ihre Kinder “Magen Darm” hatten.

Ich kann mir nicht helfen, aber wenn ich jemanden sagen höre, er sie es hätte “Magen Darm”, dann kriege ich Kreislauf.

Nachwuchs

Frank, 1. Oktober 2007

hulk

Freuet euch fanatisch und frohlocket frenetisch, fantastische Freunde des Craplog’schen Rants, statt euch zu wundern: In nächster Zeit wird nämlich nicht mehr nur die bereits vertraute und leidlich liebgewonnene Autorenschaft dieses, uns allen Mutterbusen gewordene, Weblog befüllen, sondern eine ganz neue Generation an Autoren gepflegt klagen, wüten und veräppeln. Empfangt sie warm!