Archiv für den October 2007

Steinzeitliche Sozialdemokratie

pantoffelpunk, 31. October 2007

Der gute Herr Pofalla hat endlich mal wieder gesprochen und damit mein Herz erfreut. Die auf dem Hamburger Parteitag der SPD beschlossenen Grundsätze sozialdemokratischer Politik seien “ein Rückschritt in die Steinzeit”, tropft es ihm gewohnt treffsicher in die Mikrofone der anwesenden Journalisten.

Und er hat natürlich – wie immer – vollkommen Recht. Wir alle erinnern uns daran, dass in der Steinzeit vor allem …

Mit der SPD zurück in die Steinzeit

… die Privatisierung der Bahn auf das Bestreben starrköpfiger Sozialdemokraten hin noch vollkommen undenkbar war.

Großartig, Herr Pofalla, weitermachen!

Teil I und II gibts bei mir zu Hause…

Open Brain 2.0

.markus, 28. October 2007

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Foto: YGGG (cc)

Für die Sieben-Meilen-Stiefel des rasanten technischen Fortschritts findet sich heute immer eine begeisterte Masse, die freiwillig in diese schlüpft, um als Wirtschaftszombi-Armee bereitwillig für den Fortschritt zu marschieren. Aber nicht alles was neu ist, glänzt. Terry Pratchett schrieb mal in einem seiner Scheibenweltbücher:

“Wenn man einen Knopf aufstellen würde, mit der Aufschrift >Ende der Welt Knopf, NICHT DRÜCKEN<, die Farbe hätte nicht mal Zeit zu trocknen”.

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Der Schaumschläger mit dem repressiven E

Sebastian, 27. October 2007

Nähme man sämtliche Presseerzeugnisse auf dem Markt einmal genauer unter die Lupe, stellte man womöglich fest, dass sie alle ihren je eigenen Franz Josef Wagner beschäftigen. Dessen unverwechselbare Melange aus radikaler Subjektivität, assoziativer Regellosigkeit, tüddelig-tatteriger Entrückung und couragierter Irrelevanz, gewürzt mit einer Prise Geist, der stets verneint, hat längst Nachahmer gefunden. Der Franz Josef Wagner von Spiegel Online ist, man achte mal drauf, Reinhard Mohr; der Franz Josef Wagner der Satire ist Bernd Zeller; und der Franz Josef Wagner der FAZ ist, wie mir inzwischen klar wurde, Marcel Reich-Ranicki.

Dieser beantwortet in einer Feuilletonkolumne der FAZ-Sonntagsausgabe Leserfragen zum Thema Literatur – mehr oder weniger. Er nimmt die Zuschriften jedenfalls zum Anlass, sich genüsslicher Selbstbespiegelung hinzugeben und in deren Dienst auch das nichtigste Sandkörnchen Substanz mit größtmöglicher Geste zu präsentieren, während sein Namedropping powered by Kindler fast genug Schaum schlägt, um darüber hinwegzutäuschen, dass die literarischen Urteile des Verfassers eines eigentlich nie sind: originell.

schaum

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liebe kameramänner

ovit, 25. October 2007

die ausübung eines berufes ist nicht immer leicht. vor allem dann, wenn menschen nicht so funktionieren, wie man sich es wünscht. das craplog scheut sich nicht, die eigenen medaillen umzudrehen und auch das verhalten der kameraleute zu hinterfragen, die mit ihrer überteuerten technik meinen alles zu dürfen.

seit geraumer zeit fahre ich in berlin mehr regionalbahn als sbahn. sei es eine signalstörung oder eine liegengebliebene sbahn in sichtweite. da man nach feierabend auf solche eskapaden entsprechend viel lust hat, steigt die gude laune auf sven-väth-niveau an. also wechselt ein von menschen überfüllter bahngleis im kollektiv das transportmittel und minuten später reibt man sich schon in einem dieser regionalzüge aneinander. man macht ja alles für ein beheiztes zu hause.

endlich am ostbahnhof angekommen, muss man sich dann auch noch filmen lassen, von einem typen der meint, dass alle menschen, die sich aus dieser bahn raus- und reinquälen ein bedürfnis danach haben, dass dieser monumentale vorgang für die nachwelt festgehalten wird. dieses verhalten erinnert an einen bundesinnenminister, der seine kamera auch immer da hinbaut (hinbauen möchte) wo sich viele menschen gleichzeitig befinden.

da hilft nur eins: in die kamera winken, freunde und bekannte grüßen, dämliche fragen stellen, auf die linse fassen oder ein paar beleidigungen richtung dieses menschen pfeffern. nur so kann wirklich garantiert werden, dass man aus sinnbefreiten einspielern, die aller wahrscheinlichkeit nach im falschen kontext benutzt werden, auch wirklich herausgeschnitten wird.

darf man nun in diesem land gefilmt werden wie man will? was darf der kameramann, was der schäuble nicht darf? ich will nicht in irgendwelchen filmbeiträgen auftauchen ohne das ich meine mimik darauf vorbereiten konnte und überhaupt. was ist denn das bitte für ein scheiß? kein respekt für kameramänner. verderbt den medienleuten den spaß an ihrer arbeit. grinst und winkt und nervt! anders kann man solchen menschen nicht beikommen, die glauben, mit ihrer teuren technik hätten sie einen freifahrtschein um alles und jeden aufzunehmen.

Katholiken sind nichtige Arschlöcher. Basta.

pantoffelpunk, 24. October 2007

Überall ist im Moment von irgendwelchen wahrscheinlich widerlich reaktionären und steinzeitlichen Auslassungen des Bischof Mixa zu lesen. Ich schreibe bewusst “wahrscheinlich”, weil ich mir grundsätzlich gesellschaftspolitische Statements katholischer Kackbratzen nicht antue. Und das hat einfach furchtbare und furchtbar einfache Gründe.

“Menschen”, die freiwillig Mitglied einer Institution sind, die schwule Mitarbeiter feuert aber verurteilte Kinderficker wissentlich einstellt, deren Taten relativiert und dahingehende Ermittlungen behindert, haben im gesellschaftlichen Diskurs schlicht nichts zu suchen. Ende der Durchsage.

Und noch einmal für die jugendlichen Papstfans auf der einen und die Medien auf der selben Seite: Der Papst ist kein Popstar sondern ein kriminelles Arschloch und ein außerordentlich weltlich denkender, weil machtgeiler Klerikalfaschist, der sexuelle Kindesmisshandlungen deckt.

Part II, Part III

Und jetzt, Katholiken, gehet hin und steckt Euch einen Finger in den Po. Manchmal hilft’s.

PS: Wenn ich durch diesen Beitrag jemandes religiöse Gefühle verletzt haben sollte: Das ist außerordentlich gern geschehen.

Zehn blattgoldverzierte Regeln zum Umgang mit Kameraleuten

Gastautor, 23. October 2007

Schon im frühesten Kindesalter wollte Micha, webweit bekannt als OasisUK zu “1, 2 oder 3” in die Sendung. Jedoch weder als dämlich vor irgendwelchen Toren herumhopsendes österreichisches, schweizer oder deutsches Teilnehmerbalg, noch als Biggi – sondern selbstverständlich in der höllencoolen Rolle des Kamerakinds. Es sollte jedoch nie dazu kommen, dass er sich die Bildrahmenfarbe aussuchen konnte um infiniten Ruhm zu ernten, wann immer ein von ihm aufgenommener Moment gesendet ward. Als kompensatorische Rache am Schicksal beschloss er später, Kameramensch beruflich zu “machen”. Hier und heute gibt er – exklusiv im Craplog – Tipps zum Verhalten gegenüber Menschen seiner Gattung.

OasisUK - the Cameraman
Illustration: OasisUK himself

Damit ein Kameramann so fröhlich bleibt wie auf diesem Bild gibt es ein paar einfache Verhaltensregeln für den Passanten, der einem Vertreter dieser doch recht selten gewordenen Gattung auf der Straße begegnet:

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bka-terror II

-, 18. October 2007

man hört viel über das bka und lesen tut man noch viel mehr. inzwischen wissen wir: dort arbeiten nur die weltbesten überhacker, die mit ihren tools und programmen so dermassen viel zum fortschritt der technik beigetragen haben, dass ein leben ohne das bka für das internet wohl das aus bedeuten würde (einer landläufigen theorie zufolge hat das bka nicht nur das internet, sondern auch chuck norris erfunden und rfs war da nur die logische konsequenz).

aber spass beiseite.

vielleicht kennt jemand die geschichte des soziologen andrej h., der seit september 2006 vom bka observiert wird, weil man ihn für einen terrorverdächtigen und kopf der “militanten gruppe” hält. somit will man ihm auch die planung des anschlags auf die bundeswehrautos ende juli anhängen. nicht nur seine anwältin sagt, das ist alles quark, sondern es gibt auch eine petition, die wissenschaftler-kollegen ins leben gerufen haben:

http://www.freeandrej.net.ms/.

jetzt zum eigentlichen, wirklichen bka-terror:

was passieren kann, wenn das bka einen auf dem kieker hat, kann man quasi LIVE bei

http://annalist.noblogs.org/

nachlesen. besonders den text telefonterror II solltet ihr euch mal geben.

wer geglaubt hat, dass die ddr-stasi alles war, was dieses land an üblen geheimdiensten zu bieten hatte, der wird gründlich eines besseren belehrt. in der heutigen welt zu leben und zu existieren kann aufgrund solcher informationen wenig erfreuliche gefühle hervorrufen.

aber was tun?

wegrennen geht nicht, jedoch habe ich das gefühl, das system läuft amok, wie es ihm gefällt und alles, was uns bleibt, ist die rolle des zaungastes.

ich bin kein freund von waffen, aber es gibt momente, da könnte ich worte getrost beiseite legen und wieder in den primaten-zustand zurückfallen, indem ich mich einfach in einen panzer setze und drauflos fahre, um zu sehen, was passiert.

wer ein visum zu verkaufen oder zu verschenken hat, der möge sich bitte bei mir melden, ich bin dann mal weg. (egal wo, hauptsache weit weit weeeeiiiiitttt weg.)

übrigens: ab dem 1. november werden eure reisepässe das erste stadium des schily-wahns durchmachen müssen. wer noch einen alten reisepass hat, auch wenn er nicht kaputt ist oder noch läuft, könnt ihr den diesen(!) monat gegen einen neuen eintauschen, der keine schily-depperten ideen beinhaltet. mehr informationen dazu liefert der ccc. es bleiben noch 13 tage!!!

Gründe, die Universität zu lieben

Frank, 17. October 2007
  • Jeder einzelne dieser in deiner Studienzeit mindestens dreimal vorkommenden “Klick”-Momente, in denen Offenheit und Inspiration zu einem majestätischen Gefühl der Gedankenklarheit verschmelzen und dir eine neue Welt eröffnen.

 

Gründe, die Universität zu hassen

ebenfalls maloXP, ebenfalls 17.10.2007

Hörsaal

  • Täglich
  • anderthalb Stunden Fahrt in
  • völlig überfüllten
  • Regionalzügen, in denen Du dir,
  • im Sommer literweise Schweiß ausdünstend, wegen der
  • eiskalten Klimaanlage den Tod holst oder
  • winters der Schneematsch zentimeterhoch steht. Das nimmst Du nur auf dich, weil die Massen von
  • zugezogenen Studenten, angelockt von Studiengebührenfreiheit und Hip City Image, den
  • Numerus Clausus an den Berliner Unis so in die Höhe treiben, dass Dir mit deinem mediokren Abi-Durchschnitt bloß ein Studium von
  • Fächern, die du eigentlich gar nicht magst in
  • Potsdam übrigbleibt. Und so sitzt Du also
  • völlig übermüdet – vor dir ein
  • narzisstischer Dozent – im
  • überfüllten Hörsaal auf
  • zerfallen(d)em Mobiliar, zwischen
  • Eierköpfen,
  • hohlen Nüssen und
  • Psychopathen, hörst Dir
  • gähnend langweilige und
  • mies gehaltene Vorträge an, in weiser Voraussicht, dass dein
  • eigenes Referat nächste Woche auch nicht besser wird, was aber nichts macht, weil die abverlangte
  • Hausarbeit wegen deiner
  • Tendenz zur Prokrastination eh nie geschrieben werden wird und die
  • verdammten Belegpunkte für’n Arsch sind. Aber was soll’s… Ansatzweise Trost spendet immerhin ein per
  • RFID-Chip im Studentenausweis bezahlter
  • Kaffee aus der
  • mit Werbung und Sponsorships zugepflasterten und von per
  • iBook im
  • StudiVZ rumsurfenden
  • BWL-Studenten bevölkerten
  • Mensa.

Foto: DASKAjA (cc)