Blutiger Boden

Ich konnte es mir nicht verkneifen. Ich habe mir 300 angesehen. Und: Es passt einfach alles in diesem Film. Die völlige Kritiklosigkeit, gar Glorifizierung frühkindlicher Abhärtung gegen das eigene Empfinden, der Mutterschaft primär als Lieferantin neuen Soldatenmaterials, der Gnadenlosigkeit gegenüber dem Gegner, der Euthanasie, der Dämonisierung des Fremden, des ehrenvollen Todes, der Selbstaufopferung für Ehre und Ruhm, der Unaussprechlichkeit von Trauer, die Überhöhung der Schlachtfeld-Kameradschaft statt echter zwischenmenschlicher Bindungen, Überhöhung der eigenen (vereinigten) Nation, die Riefenstahlsche Körperästhetik, die Ablehnung von allem, das weiblich oder homosexuell konnotiert ist, die Darstellung von Politik und Diplomatie als “schmutziges Geschäft” im Kontrast zum ehrlichen, “aufrechten” Kampf, die hohlen Phrasen von Freiheit, die im Grunde nur Selbstbehauptung des eigenen Systems der Inhumanitas meint, die Ablehnung von Kapitulation, selbt angesichts der sicheren Niederlage.
Kurzum: Dieser Film vertritt eine vollkommen abartige, erstklassig faschistische Pseudoromantik.
Ein kompletter Scheißfilm! Die Ideale, die darin transportiert werden sind zudem nicht ungefährlich. Könnte mir gut vorstellen, dass “300″, wenn es ihn damals schon gegeben hätte, nochmal etwas Restmotivation beim Volkssturm rausgekitzelt hätte. Entsprechend ist der Film seit Tagen übrigens der absolute Bestseller bei uns in der Videothek. Davon abgesehen, dass es natürlich Unfug ist, aus dem Plot des Films eine ideologische Mobilmachung für einen bevorstehenden Iranfeldzug zu sehen ist[1], lässt sich ein solcher Mist doch weder durch visuelle Opulenz noch durch das beliebte “Ist halt Popcornkino”-Argument entschuldigen. Was ist das überhaupt für ein Trend, dass für eine bestimmte Klientel Filme nur noch gut sind, wenn sie aufwändig in Szene gesetzte Körperteilamputationen enthalten? Vielleicht sollte sich dieses Segment der Videothekenkunden-Sozialstruktur mal Gedanken über den eigenen Gefühlshaushalt machen.
Übrigens: Wer hat’s schon im Vorfeld gewusst, dass der Film so mies ist? Mein mich weise bereits gewarnt habendes Weib. Typisch.
- Ins Blaue schätze ich mal, dass drei Viertel der Filmzuschauer nicht wissen, dass Persien heute der Iran ist [zurück]
