Die kommerzielle Okkupation des öffentlichen Raumes ist auch nicht mehr das, was sie mal war (Teil 3)

Dieses Bild enthält zwei Fehler. Wer findet sie?

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Was sind die Cousins von animierten Bilddateien? Richtig! Frames, mehrere Scrollbalken, 404-Links, .de.vu-Adressen.
Ein Paradebeispiel aus dem Lehrbuch „How to build a crappy website within 10 seconds“ ist die Website von Martina aus Keine-Ahnung-wo-die-wohnt:

Eine wahre Fundgrube, der Abstellraum des Internet 0.5.
Sich in diesen Webkreisen zu bewegen bedeutet: man muss viel ertragen können. Selbstverfasste Tiergedichte (Comic Sans MS, weil es so schön ist) und bei Beepworld gehostete Gästebücher (mittlerweile durch Spam zweckentfremdet) gehören zum Standard, ebenso zweifelhafte „Awards“, die keinen anderen Schluss zulassen als: Es gibt immer eine noch schlechtere Website.

Und ganze GIF-Archive!
Und was soll das hier bitte?

Als ich jung jünger war, trafen sich direkt vor der Bühne die eingefleischten Fans, die Verwegenen, die Rocker und die Hörgeschädigten. Es wurde gebangt, gemosht und getanzt. Wer sich nicht bewegte ging gnadenlos unter. Es zählte der Moment, der Rausch der Musik und der Tanz der Emotionen. Live, verdammt noch mal ja, live hier und jetzt.
Weiter hinten wurde das Publikum zu Kopnickern, Fußwippern und Brusthöheklatschern, aber das ist auch heute noch so.
Der richtig harte Kern vorne an der Bühne wurde von seelenlosen, einarmigen Cell Phone Zombies infiltriert, die bewegungslos ihr Mobiltelefon mit Kamerafunktion oder die 5.0 Megapixel Digitalkameras in die Höhe recken, um maschinengewehrfeuerartig Bilder zu (ver-)schießen.
Dabei sein ist alles, Bilderbeweise davon zu haben, wohl noch mehr! Was macht man eigentlich mit diesem verwackelten digitalen Bilderrauschen, auf dem man höchstens ein paar Lichtschleifen, eine schemenhafte Schattenband und die fettigen Haare des Vordermanns sehen kann?
Schreibt man damit eine Rund-MMS an seine Freunde?
hey leutz,
voll geil hier aufm gig von oasis, hier mal nen foddo
Warum habt ihr aufgehört zu tanzen, zu springen, zu rocken, als ob es kein morgen mehr gäbe? Warum meint ihr, dass ein Konzert schöner wäre, wenn man es durch ein LCD-Display betrachtet? Und welche verdammte Hand soll dann euer Bier halten?
Ich bin ein unverbesserlicher Pfennigfuchser, was PC-Software angeht. Wenn es von einem Programm keine adäquate Open Source-Lösung gibt, besorge ich “es” mir zum Sparpreis oder *räusper* irgendwie anders. Oder ich greife auf anderweitig verfügbare kostenlose Lösungen zurück. Nun soll aber nicht meine moralische Verfasstheit im Zentrum dieser kleinen Ansammlung von Gedanken stehen, sondern die übliche – und ich weiß genau, einige von euch werden jetzt den Monitor mit Speicheltröpfchen befeuchten, weil sie so laut “Typisch Deutsch!” brüllen – Gebissbeschau von ablösefrei erhaltenen Pferden.
Und zwar komme ich auf die Updateprozedur des Umme-Virenscanners AntiVir gar nicht klar. Diese öffnet nämlich ständig ein nerviges Browserfenster mit, häufig etwas absurder, Eigenwerbung für das Vollpreisprodukt, drängt sich rücksichtslos in den Vordergrund, lässt sich weder durch ein vorheriges manuelles Update “vertagen” noch durch irgendeine Einstellung von seiner Geltungssucht abbringen. Das Ding schaltet sich grundsätzlich in solchen Situationen ein, in denen ich es überhaupt nicht brauchen kann: Beim Spielen zum Beispiel.
Nun sind die meisten Spiele so programmiert, dass es nicht besonders fatal ist, wenn AntiVir sich updatet. Die einen ruckeln und flackern kurz, andere minimieren sich und die meisten laufen auch im Hintergrund nicht ohne meinen kontrollierenden Einfluss weiter. Aber trotzdem nervt das! Und wenn ich doch mal intensiv ein engine-seitig mies programmiertes, aber inhaltlich zeitweise durchaus suchtförderndes Zock wie Oblivion spiele, das nicht nur, aber auch dank AntiVir häufig komplett abstürzt, nervt das doppelt. Am schlimmsten aber ist diese Frechdachsigkeit während Onlinespielen. Ich ziehe hin und wieder mit Pläsier in den virtuellen zweiten Weltkrieg und kann mit zwei Händen längst nicht mehr abzählen, wie oft das eigentlich freundliche Verhüterli-Tool mir den Angriff auf die Nazistellungen in der Normandie vergälte.
Aber gut: Ich stehe mit diesem Leiden nicht alleine da. Heute lauschte ich an der Uni einem tollen Referat, welches geschickt eine an die Wand projezierte Bildschirmpräsentation zu nutzen wusste. Und, of course, während die Referentin weise über Zoologisches moralphilosophierte – PLOPP. Updatevorgang wird initialisiert.
Das schränkt mein Leben natürlich alles nicht substanziell ein, aber nun… auch über die kleinen Dinge muss man sich ja echauffieren dürfen, auch wenn die moralische Legitimität zusätzlich fehlt. Denn Selbstverleugnung macht nur Sodbrennen.

Hallo Hersteller des “wohl berühmtesten Schokoladenriegels der Welt”. Ein paar Euro mehr an die Werbeabteilung, für einen geringfügig pfiffigeren Claim, waren nicht drin?
Gar nicht erst hart an der Grenze, sondern weit darüber hinaus ist ein Kommentar, den ich im Blog der PC-Spielezeitschrift Gamestar fand. Folgende Ausgangssituation: Ein verdienter deutscher Spieleprogrammierer stirbt. Der ehemalige Redakteur Mick Schnelle verfasst einen Nachruf. Nach dem für’s GS-Blog üblichen adoleszenten Kommentargeplänkel (“Erster” – “Doch nicht^^”), offenbart ein junger Leser seine ganz persönlichen Vorstellungen und Relationen in Sachen Taktgefühl, Weltbild und – schlicht – Logik via Blogkommentar:

Da kracht mein Kopf doch dreimal (mindestens!) laut krachend auf die Tischplatte, weil mir der Schmerz versichern soll, dass ich noch nicht in der Hölle bin. Hallooooo?!?! Mal abgesehen davon, dass es alleine in Mittel- und Südamerika von Cortez bis Pinochet dutzende bessere Beispiele für das personifizierte Böse gibt als ausgerechnet Fidel Castro – wie beschränkt muss man denn sein, Saddam als Beispiel für die absurde These heranzuziehen, dass “das Böse” eine größere Lebensspanne habe? Ach so: “aber vielleicht auch nicht, GRINS!!!!1elf”. Paraphrase: Ich habe keine Ahnung, brabbel aber trotzdem drauf los, weil ich ja dazu stehe, keine Ahnung zu haben. HNNNNG!
Fidel, Saddam, die Verwandtschaft. In einer Reihe – als Steigerung? Na gut… Vielleicht dachte der junge Mann ja an die Blähungen von Tante Elke und baute sich innerlich eine assoziative Verknüfung zu Saddams Giftgas-Völkermord…
Herr, lass Hirn regnen!